Projekt

Klima-KomPakt

Bedarfserfassung, Beteiligung und Verstetigung im kommunalen Klimaschutz
Kommunen
Beratung
Beteiligung
Klimaschutzmanagement
Im Rahmen des Vorhabens „Klima-KomPakt“ wurden zwei Kernfragen des kommunalen Klimaschutzes aufgegriffen: Wie lässt sich ein Klimaschutzmanagement (KSM) in Kommunen dauerhaft realisieren und verstetigen? Wie lassen sich wirkungsvolle Beteiligungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten im kommunalen Klimaschutz gestalten?
Projektinformationen
Förderprogramm 
Projektnehmer 
ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH, Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH, nextpractice GmbH, Dr. Minu Hemmati Consulting
Projektkontakt 

Herr Benjamin Gugel
E-Mail: Benjamin.gugel@ifeu.de
Web: www.ifeu.de

 

Projektlaufzeit 
01. Apr. 2017 bis 31. Mär. 2020
Förderkennzeichen: 
03KE0038
Fördersumme in € 
587.187 Euro
  • Klima-KomPakt

Auf einen Blick

Worum ging es in dem Projekt?
Im Vorhaben „Klima-KomPakt“ wurde Verstetigung von kommunalem Klimaschutz aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, kommunale Bedarfe wurden erfasst und analysiert sowie die Themen Verstetigung und Beteiligung genauer betrachtet. Die Analysen wurden mit der Klimaschutzpraxis in den Kommunen abgeglichen und die daraus gewonnen Erkenntnisse in der Begleitung von 16 Modellkommunen erprobt.

Schritt 1: Aktuelle Bedarfe in Kommunen und Einstellungen der lokalen Akteure
In einem ersten Schritt wurden kommunale Akteurinnen und Akteure im Rahmen von zwei Erhebungen zum Status quo und ihren Einstellungen schriftlich und anhand von Interviews befragt. Ziel der ersten Umfrage war es herauszufinden, welche Unterstützung Kommunen für erfolgreichen Klimaschutz benötigen. Dazu wurden die Antworten der 265 an der Umfrage beteiligten Kommunen ausgewertet. Aufbauend auf der Befragung wurden in 20 Kommunen mit jeweils vier lokalen Akteurinnen und Akteuren Interviews geführt, um zu analysieren, welche Einstellungen sie zum Thema Klimaschutz haben.

Die Ergebnisse der beiden Befragungen haben gezeigt, dass eine erfolgreiche Umsetzung von Klimaschutz in großem Maße abhängig von den lokalen Rahmenbedingungen ist. Eine wichtige Rolle spielen hierbei unter anderem die Finanz- und Personalausstattung im Klimaschutz, die unterschiedlichen Gemeindeordnungen der Länder und auch die Einstellungen der lokalen Akteurinnen und Akteure zum Thema Klimaschutz.

Im Ergebnis der Interviews konnten zwei grundlegende, bewertungsrelevante Perspektiven im kommunalen Klimaschutz identifiziert werden: Die Gruppe „Individuelle Anreize“ und die Gruppe „Kulturelle Verankerung“. Die Herausforderung besteht darin, die Kommunikation und den Diskurs zwischen diesen beiden Gruppen frühzeitig zu befördern und die unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe zu bedienen.

Schritt 2: Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren für die Verstetigung von kommunalem Klimaschutz
Im zweiten Schritt ging es um das Thema Verstetigung. Zunächst wurden einzelne Elemente und deren Qualitäten der Verstetigung definiert. Das Ergebnis ist ein „Verstetigungs-Benchmark“. Mit Hilfe des „Verstetigungs-Benchmarks“ kann mit relativ wenig Aufwand der Status quo der Verstetigung des Themas Klimaschutz in einer Kommune dargestellt werden.

Das kommunale Klimaschutzmanagement (KSM) wurde dabei als ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Verstetigung kommunalen Klimaschutzes identifiziert. Anhand der Sammlung und Analyse von Aufgaben und Tätigkeiten des KSM wurde deutlich, dass es noch kein einheitliches Berufsbild KSM gibt. Auch die Ansiedlung zentraler Ansprechpersonen für Klimaschutz innerhalb der Verwaltung erfolgt sehr unterschiedlich. Es wurden verschiedene Modelle für die personelle Begleitung des Themas Klimaschutz gesammelt und in Steckbriefen zusammengefasst. In den Steckbriefen wurden Eigenschaften, Rahmenbedingungen sowie Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle aufgegliedert.

Anhand der Analysen wurde in sechs Modellkommunen im Rahmen einer Begleitung geprüft, welches Modell und welche Ausgestaltung der Aufgaben für das KSM nach Auslaufen der Förderung durch die Kommunalrichtlinie in Frage kommen.

Schritt 3: Geeignete Beteiligungsformate für Kommunen finden
Im letzten Schritt wurden Methoden und Formate der Beteiligung und Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteurinnen und Akteuren analysiert und die Möglichkeit eruiert, wie sie den Klimaschutz in Kommunen voranbringen können. Der Prozess-Wegweiser (www.prozess-wegweiser.de) bietet Hilfestellung, Anregung und eine Vielzahl von Prozessvorschlägen, Methoden und Praxisbeispielen für Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager, Beteiligungsmanagerinnen und Beteiligungsmanager, Beraterinnen und Berater von Kommunen oder auch Einzelpersonen. Der Wegweiser ist eine praktische Handreichung für alle, die Klimaschutz in Kommunen mittels Beteiligung und Mitwirkung vorantreiben wollen. Die Materialien wurden nutzerfreundlich strukturiert, aufbereitet und verlinkt.

Der Wegweiser enthält unter anderem sechs „typische Prozessverläufe“, die Beteiligung und Mitwirkung in verschiedenen Situationen und Konstellationen beschreiben und methodische Ratschläge enthalten. Ein weiteres Kernelement ist der „Individuelle Planungsprozess“. Hier erhalten die Nutzerinnen und Nutzer aufgrund der Beantwortung mehrerer Leitfragen maßgeschneiderte Empfehlungen, um einen Beteiligungsprozess zu planen und durchzuführen. Sämtliche Empfehlungen dienen als Vorschläge und können je nach Bedarf und Kontext angepasst werden.

Dabei wurden zum Teil auch neue Methoden entwickelt. Die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit den Modellkommunen sind in die Bereiche „Praxisbeispiele“ und „Methoden“ des Prozess-Wegweisers eingeflossen.
Im Bereich „Methoden“ werden 24 Formate und Instrumente (‚Methoden‘) dargestellt, die in Prozessen der Beteiligung und Mitwirkung im kommunalen Klimaschutz nützlich sein können.

Wen sollte es ansprechen?
Das Projekt wurde als Unterstützungsangebot für Kommunen entwickelt, welche das Thema Klimaschutz verstärkt angehen möchten.

Wer war beteiligt?
Im Rahmen des Projekts wurde mit einer Vielzahl von Kommunalvertreterinnen und Kommunalvertretern sowie Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanagern gesprochen. Es wurden ausgiebig Erfolgsfaktoren für Verstetigung und Beteiligung im kommunalen Klimaschutz diskutiert. Die Ergebnisse flossen in die Begleitung von insgesamt 16 Modellkommunen ein, in denen die Möglichkeiten der Verstetigung des Klimaschutzmanagements ausgelotet (sechs Kommunen) und unterschiedliche Prozesse und Beteiligungsformate aus dem entwickelten Prozesswegweiser durchgeführt (zehn Kommunen) wurden.

Zudem wurden die Ergebnisse im Rahmen eines Steuerungskreises mit Mitgliedern aus Forschung und Praxis regelmäßig vorgestellt und diskutiert.

Was sollte das Projekt erreichen?

  • Darstellung der Bedarfe von Kommunen und Einstellungen lokaler Akteurinnen und Akteure zum Thema Klimaschutz.
  • Sammlung und Einordnung von Rahmenbedingungen, um das Thema Klimaschutz in Kommunen zu verstetigen.
  • Entwicklung von Optionen, um das kommunale Klimaschutzmanagement nach der Förderung zu verstetigen.
  • Überblick über erfolgsversprechende Verstetigungsformate im kommunalen Klimaschutz.
  • Überblick über übliche Methoden von Beteiligung und Mitwirkung sowie diesbezügliche Bedarfe nach Kenntnissen und Unterstützung in den Kommunen.
  • Entwicklung, Erprobung und Bereitstellung von Methoden und Formaten zur Beteiligung und Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteurinnen und Akteuren im kommunalen Klimaschutz.

Was hat das Projekt erreicht?

  • Visualisierung der Verstetigung des Themas Klimaschutz (Verstetigungs-Benchmark).
  • Entwicklung von elf Modellsteckbriefen zur Verstetigung.
  • Entwicklung einer Blaupause für eine Verstetigungsberatung in Kommunen.
  • Rahmenbedingungen und Möglichkeiten für Beteiligungsprozesse im kommunalen Klimaschutz.
  • Erprobung von Methoden und Formaten zur Beteiligung und Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteurinnen und Akteuren in zehn Modellkommunen.
  • Entwicklung des Prozess-Wegweisers für Beteiligungsprozesse für kommunale Anwenderinnen und Anwender sowie Beraterinnen und Berater.

Beitrag zum Klimaschutz

Kommunaler Klimaschutz wird durch das Vorhaben in zwei zentralen Aspekten unterstützt:

Verstetigung der Arbeit der zentralen Ansprechperson für Klimaschutz
Im Vorhaben konnte gezeigt werden, dass ein Klimaschutzmanagement (KSM) das Querschnittsthema Klimaschutz insgesamt in einer Kommune voranbringt und verstetigt. Durch das KSM werden verstärkt Klimaschutzaktivitäten durchgeführt, Beteiligungsprozesse initiiert und Fördermittel akquiriert.

Im Rahmen des Projekts wurde eine Beratung für Kommunen entwickelt, welche die Verstetigung der Stelle zum Ziel hat. In der Beratung werden die vielfältigen Aufgaben des KSM strukturiert und geclustert und mögliche zukünftige Aufgaben definiert. Mit den Ergebnissen dieser Arbeiten kann gemeinsam mit der Verwaltungsspitze erörtert werden, wie das KSM zukünftig ausgestaltet werden kann.

Initiierung von Beteiligungsprozessen
Klimaschutz kann in einer Kommune nicht allein durch die Verwaltung erfolgen. Um Klimaschutz als Mainstream zu etablieren, bedarf es Aktivitäten auf allen Ebenen und seitens aller lokaler Akteurinnen und Akteure. Dafür wurden im Vorhaben verschiedene Beteiligungsformate im Klimaschutz analysiert, durchgeführt und auf den Internetseiten des Prozess-Wegweisers geclustert und präsentiert.

Mit dieser Hilfestellung haben Kommunen in Zukunft die Möglichkeit, für sie geeignete Beteiligungsformate zu initiieren. Ziel ist es, gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren sowie Bürgerinnen und Bürgern über einen Dialogprozess nachhaltige Klimaschutzprojekte entstehen zu lassen.

Tipps und Tricks für interessierte Institutionen

Tipps und Tricks zur Verstetigung des Klimaschutzmanagements (KSM)

  • Stellenprofil schärfen.
    Das Klimaschutzmanagement ist eine noch recht junge Berufsgruppe innerhalb der kommunalen Verwaltung. Entsprechend gibt es noch kein einheitliches Aufgabenprofil. Für die Verstetigung der Stelle ist es deswegen umso wichtiger, das jeweilige Aufgabenprofil des KSM zu schärfen und das KSM mit entsprechenden Kompetenzen zu versehen.
  • Externe Unterstützung nutzen.
    Das Vorhaben zeigt, dass eine externe Beratung transparente Prozesse innerhalb der Verwaltung zur Verstetigung des KSM angestoßen hat. Die Beratung fungiert zunächst als eine Art Audit, bevor anhand der Analysen verschiedene Möglichkeiten aufzeigt werden. Dieser Prozess wurde seitens der beteiligten KSM in den Modellkommunen als sehr hilfreich erachtet.
  • Kommunales Klimaschutzmanagement ist nicht kommunales Energiemanagement.
    Die Umsetzung eines Klimaschutzkonzepts durch das KSM ist ein umfangreicher und vor allem zeitaufwendiger Prozess. Das Thema „kommunale Gebäude“ kann ein Teil dieser Umsetzung sein. Ein KSM kann jedoch kein Energiemanagement ersetzen oder dessen vielfältigen Aufgaben übernehmen. Müsste das KSM diese Aufgaben übernehmen, bleibt keine Zeit für andere Aktivitäten und der lokale Klimaschutz beschränkt sich nur auf einen Teilaspekt.
  • Lokale Rahmenbedingungen kennen.
    Kommunen haben unterschiedliche Möglichkeiten und Rahmenbedingungen, ein KSM zu verstetigen. Im Vorhaben werden neben einer vorhandenen Strategie, Finanzierung auch der politische Wille identifiziert. Je nach lokaler Situation sind unterschiedlichen Verstetigungsmodelle des KSM möglich.
  • Als KSM wichtiger Erfolgsfaktor werden.
    Erfolgreiche Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager machen sich bereits innerhalb der Förderung für die Verwaltung unentbehrlich. Dies kann zum Beispiel über Fördermittelakquise oder das Fungieren als zentrale Ansprechpersonen zu allen Energie- und Klimaschutzthemen, Öffentlichkeitsarbeit oder Koordination/Initiierung (nicht Umsetzung) des kommunalen Energiemanagements erfolgen. Das KSM sollte deswegen vom ersten Arbeitstag an im Blick haben, welche dieser Tätigkeiten in der jeweiligen Kommune hilfreich sein könnten und sich damit profilieren.

Mehr und detaillierte Informationen finden sich im Leitfaden für Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager (siehe unten).

Tipps und Tricks für Beteiligungsprozesse

  • Ziel der Beteiligung definieren.
    Gleich mit der ersten Idee für einen Beteiligungsprozess sollte geklärt werden, welche Ziele verfolgt werden. Dies bestimmt nicht nur die Methode, sondern auch die Kommunikation mit der Zielgruppe und deren Erwartungshaltung. Es gilt zum Beispiel zu klären, ob eine Bürgerbeteiligung oder eine Akteursbeteiligung erfolgen soll. Auch die Intensität des Engagements im Beteiligungsprozess sollte zu Beginn geklärt werden. Dabei ist es besser, diese Entscheidungen nicht allein zu treffen, sondern möglichst in Beratung mit denjenigen, deren Beteiligung man anstrebt. Das können einzelne Bürgerinnen und Bürger sein, mit denen man bereits Kontakt hat, und/oder die Hauptakteurinnen und -akteure, mit denen man zusammenarbeiten möchte. Außerdem können sich Beteiligungsprozesse im Laufe der Zeit weiterentwickeln, und dafür sollte man nach Möglichkeit offen sein. Beispielsweise kann sich ein Prozess verlängern oder intensivieren, wenn gemeinsam Ideen entwickelt werden und sich dann gleich eine aktive Gruppe zusammenfindet, die diese Ideen gemeinsam umsetzen möchte.
  • Methoden kennen und flexibel anwenden.
    Für Beteiligungsprozesse existieren eine Vielzahl von Formaten und Methoden. Die jeweilige Auswahl sollte sich an den festgelegten Zielen und den Zielgruppen orientieren. Gleichzeitig kann man Methoden flexibel nutzen und Formate an eigene Bedürfnisse anpassen. Jeder Beteiligungsprozess ist auch ein Lernprozess, mit eigenem Nutzen und eigenen Risiken, die man jeweils abwägen sollte. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen haben, kann dabei sehr hilfreich sein.
  • Eigene Rolle klären.
    Grundsätzlich können Beteiligungsprozesse seitens der Kommune allein durchgeführt werden. Es bietet sich jedoch an, auf externe Moderatorinnen und Moderatoren zurückzugreifen, um gegebenenfalls eine Doppelrolle (Mitdiskutieren versus Moderation) zu vermeiden.

Mehr Informationen finden sich im Leitfaden für die Beteiligung und Mitwirkung im kommunalen Klimaschutz (siehe unten). Für die konkrete Planung von Prozessen wird der im Rahmen des Vorhabens entwickelte Prozess-Wegweiser empfohlen.

Checkliste der Erfolgsfaktoren

  • Klärung von Rahmenbedingungen für die Verstetigung des Themas Klimaschutz in Kommunen
  • Darstellung der Rolle und Möglichkeiten des Klimaschutzmanagements
  • Entwicklung einer Verstetigungsberatung
  • Entwicklung eines Prozesswegweisers für Beteiligungsprozesse vor Ort

 

ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH, Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH, nextpractice GmbH, Dr. Minu Hemmati Consulting

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