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15. Okt. 2026

Fassade aus dem Werk, Charakter vom Bestand

Architekt Niklas Heinen von ZRS-Architekten erklärt, warum serielles Sanieren schneller geht, mehr ökologische Baustoffe zulässt und trotzdem Gestaltungsspielraum lässt – am Beispiel der Feuerwache Berlin-Wannsee.

Drei stöckiger Flachbau der Feuerwache Berlin-Wannsee
Die seriell sanierte Fassade der Feuerwache Berlin Wannsee
© ZRS Architekten

Wo liegen aus Ihrer Sicht als Planer die größten Vorteile des seriellen Sanierens gegenüber einer klassischen Sanierung?

Niklas Heinen: Der offensichtliche Vorteil liegt im hohen Vorfertigungsgrad, der eine schnellere Umsetzung der energetischen Sanierung vor Ort auf der Baustelle ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist, dass durch die Bauweise ein deutlich höherer Anteil an ökologischen Baustoffen eingesetzt werden kann. Das ist unter anderem möglich, weil die Fassadenelemente feuerhemmend ausgeführt werden können und damit den Anforderungen der Bauordnung entsprechen. Bei konventionellen Fassadensanierungen kommen in der Regel nur Systeme zum Einsatz, die einen hohen Energieaufwand in der Herstellung mit sich bringen oder die sich im Falle von Wärmedämmverbundsystemen bei Abriss nicht mehr trennen lassen und als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Seriell sanieren heißt nicht, jedes Gebäude gleich zu behandeln. Wie viel gestalterischer Spielraum bleibt Ihnen bei Gebäuden, die das Stadtbild prägen?

Heinen: Die Architektur des Gebäudes hat uns sowohl in seiner Erscheinung als auch in seiner räumlichen Organisation sehr gereizt. Wir haben es als Aufgabe verstanden, die Charakteristik beizubehalten, die Gebäudehülle aber in ihren Anforderungen an die jetzige Zeit anzupassen. Dabei sind wir mit Augenmaß herangegangen und haben für die Bereiche, in denen eine serielle Sanierung gut umsetzbar ist, diese Sanierungsform gewählt. An anderen Stellen haben wir die Hülle belassen oder eine alternative Art der Dämmung vorgenommen.

Bei individueller Betrachtung des zu sanierenden Gebäudes kann auch bei einer seriellen Sanierung der Charakter des Gebäudes erhalten oder sogar weiterentwickelt werden. Abhängig davon, ob das Gebäude architektonisch oder stadtbildprägend ist, kann die serielle Sanierung unterschiedlich weit gehen – von einzelnen Bauteilen bis hin zu einer vollumfänglichen Sanierung. Innerhalb des Ansatzes der seriellen Sanierung können verschiedene Oberflächen und Fassadenstrukturierungen die Gebäude individuell prägen. Als Architekturbüro wollen wir der Aufgabe gerecht werden, den Gebäudebestand zu nutzen und weiterzuentwickeln – sowohl gestalterisch als auch hinsichtlich der verbauten Ressourcen.

Was waren die größten Hürden bei der Planung und Sanierung der Feuerwache?

Heinen: Bei der seriellen Sanierung ist der Ablauf bei Planung und Umsetzung generell ein anderer als bei einer konventionellen Sanierung. Bei der Sanierung der Berliner Feuerwache gab es zusätzlich die Besonderheit, dass die Fassade aus Asbestplatten bestand. Daher konnte das Aufmaß, also die präzise Bestandsaufnahme des Gebäudes, nicht wie bei einer seriellen Sanierung üblich noch während der Nutzung erstellt werden. Für den Rückbau mussten wegen der Schadstoffe die betroffenen Räume erst leergezogen werden, was zu Lücken im Bauablauf geführt hat. Anschließend konnten wir das Aufmaß erstellen und mit der Produktion der vorgefertigten Teile beginnen. Zusätzlich mussten die Fenster vor der Montage der Fassadenelemente demontiert werden, da sie nicht wie gewöhnlich in der Laibung, sondern vor der Außenwand montiert waren. Normalerweise kann das alte Fenster sonst direkt als Staubschutz dienen und wird erst nach der Montage der Elemente rückgebaut.