4. BISKO-Fachaustausch zeigt, wie Kommunen Bilanzdaten nutzen
Beim vierten Fachaustausch zur Bilanzierungssystematik Kommunal (BISKO) diskutierten Kommunen, Energieagenturen und Fachleute, wie Treibhausgasbilanzen die kommunale Klimaschutzarbeit unterstützen können.
Am 24. Juni 2026 veranstaltete die Agentur für kommunalen Klimaschutz (Agentur) mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH (ifeu) einen Fachaustausch zum Thema „Daten der kommunalen Treibhausgasbilanz zielgerichtet für die Klimaschutzarbeit nutzen“. Die Veranstaltung fand im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) statt.
Breite Beteiligung aus Bund, Ländern und kommunaler Praxis
Am vierten Fachaustausch beteiligt waren Vertretende
- des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN),
- des Umweltbundesamtes (UBA),
- der Zukunft-Umwelt-Gesellschaft gGmbH (ZUG),
- der Landesenergie- und Klimaschutzagenturen,
- verschiedener Kommunen,
- mehrerer Regionalverbände.
Ziel: Bilanzdaten zielgerichtet nutzen
Der Fachaustausch diente dazu, Empfehlungen zu erarbeiten, wie Daten der kommunalen Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz) genutzt werden können, um neue Maßnahmen zu beschließen und bestehende gezielt anzupassen und nachzusteuern. Im Fokus der Diskussionen stand die Frage, wie auf Basis der Bilanzdaten konkrete Handlungsansätze für die kommunale Klimaschutzarbeit abgeleitet und Zielabweichungen frühzeitig identifiziert werden können.
Vom Monitoring zur wirksamen Klimaschutzsteuerung
Als Grundlage sollte dafür der Plan-Do-Check-Act-Zyklus (PDCA-Zyklus) herangezogen werden, welcher Bilanzierung, Monitoring und kontinuierliche Weiterentwicklung miteinander verknüpft. Es wurde deutlich, dass hierfür belastbare Daten, verständliche und anwendbare Indikatoren sowie eine enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik und Monitoring erforderlich sind.
Praxisbeispiele zeigen erfolgreiche Ansätze
Anhand von Praxisbeispielen aus der Landeshauptstadt Dresden, dem Kreis Steinfurt und der Landeshauptstadt Stuttgart wurde verdeutlicht, wie Daten politische Entscheidungsprozesse unterstützen und eine fundierte Grundlage für Beschlüsse schaffen können. Es bestätigte sich, dass THG-Bilanzdaten vor allem dann für die Klimaschutzsteuerung nutzbar werden, wenn sie durch weitere Datenquellen, geeignete Indikatoren und konkrete Zielwerte ergänzt werden. So lassen sich Fortschritte und Zielabweichungen im kommunalen Klimaschutz messbar und nachvollziehbar machen.
Als Erfolgsfaktoren nannten die Referierenden die regelmäßige Bilanzierung, klar definierte Indikatoren sowie die frühzeitige Einbindung der Kommunalpolitik. Hervorgehoben wurde, dass sich das Monitoring an den Informations- und Steuerungsbedarfen von Politik und Verwaltung orientieren und nicht als Selbstzweck betrieben werden sollte. Damit Monitoring-Ergebnisse tatsächlich zu Anpassungen im kommunalen Klimaschutz führen, brauchen Kommunen klare Zuständigkeiten und Entscheidungswege sowie funktionierende PDCA-Prozesse. Wichtig ist zudem, Erfolge, Defizite und die Klimaschutzleistungen verschiedener Akteure transparent darzustellen und Monitoring-Ergebnisse gezielt zu kommunizieren. Als größte Herausforderungen nannten die Referierenden die Datenverfügbarkeit, den Aufwand für Datenerhebung und Controlling sowie begrenzte kommunale Einflussmöglichkeiten.
Handlungsansätze für ein wirksames Klimaschutzmonitoring
Viele der teilnehmenden Kommunen nutzen THG-Bilanzdaten bereits über die Bilanzierung hinaus, etwa für Monitoring, Indikatoren, Klimaschutzberichte, die kommunale Wärmeplanung, Maßnahmenplanung sowie die Entwicklung und Überprüfung von Reduktions- und Zielpfaden. Die Landesenergieagenturen unterstützen kommunale Akteure zudem durch Datenbereitstellung, Beratungsangebote und Bilanzierungstools. Als zentrale Voraussetzung für eine wirksame Nutzung der Bilanzdaten wurden ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen hervorgehoben.
Nach Fachvorträgen und Praxisbeispielen fand eine Gruppenarbeit statt, in der sich die Teilnehmenden zu Herausforderungen austauschten und folgende Handlungsansätze erarbeiteten:
- Etablierung eines standardisierten Prozesses, der den Weg von der Problemidentifikation über die Datenauswertung bis zum Maßnahmenbeschluss strukturiert
- Jährliches Monitoring einschließlich Berichterstattung zu Zielen, Fortschritten und Maßnahmen
- Beschränkung auf wenige, belastbare Klimaschutzindikatoren, um ihre Aussagekraft zu erhöhen
- Frühzeitige Einbindung der Politik in Monitoring- und Entscheidungsprozesse, um ausreichenden Rückhalt für die Umsetzung zu erhalten
- Ausbau von Unterstützungsangeboten auf Bundes- und Landesebene (darunter methodische Unterstützung, Datenbereitstellung, Beratungsangebote)
Nächste Schritte
Die Ergebnisse des Fachaustauschs werden künftig in die Weiterentwicklung des kommunalen Klimaschutzmonitorings einfließen und in den Arbeitshilfen der Agentur für kommunalen Klimaschutz berücksichtigt werden. Langfristiges Ziel bleibt, Kommunen dabei zu unterstützen ihre Bilanzdaten noch stärker als strategisches Steuerungsinstrument im kommunalen Klimaschutz zu nutzen.
Bei Fragen zum Thema THG-Bilanzierung und Klimaschutzmonitoring berät das Team der Agentur für kommunalen Klimaschutz. Informationen dazu finden Sie auf der Inhaltsseite „Bilanzierung und Monitoring“.